Klassischerweise werden dem Menschen fünf Sinne zugeschrieben: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Wer Näheres hierüber lernen und vor allem erfahren will, kann auf eine Entdeckungsreise der eigenen Wahrnehmungsfähigkeiten ins Schloss Freudenberg, dem „Haus der Sinne“, in einem Stadtteil Wiesbadens gehen. Neugierig geworden, machten sich Mitglieder des Selbsthilfe bei Depressionen e.V., Aschaffenburg, auf den Weg zur Erfahrung der eigenen Sinne. Zu sehen gab es viel, wesentlich spannender war das Nicht-Sehen, angeboten in der „Dunkelbar“. Hier kann der Besucher absolut nichts erkennen, das heißt, er muss sich auf seine anderen vier Sinne verlassen. Bedient wird er von einem blinden Ober, der hierin wesentlich mehr Übung hat. Die größte Schwierigkeit liegt im Bezahlen. Wer einen Fünf-Euro-Schein nicht von einem Hunderter unterscheiden kann, wird beim Trinkgeld geben leicht daneben liegen.

Das Hören kann man in verschiedenen „Klangräumen“ exerzieren. Eine Vielzahl von Klangkörpern können den mentalen Zustand des Besuchers ins Gleichgewicht bringen. Sie öffnen den Blick dafür, wie Umweltgeräusche unser Wohlbefinden beeinflussen.
Interessant ist auch die „Duftorgel“. 24 verschiedene Gerüche sind vom austestenden Besucher wahrnehmbar, von Lebensmitteln und Getränken bis hin zum Geruch von Blumen und Gewürzen. Den Spürsinn erfährt man beispielsweise durch das Greifen in verschiedene, schwer einsehbare Krüge. Der Autor dieses Berichts ließ sich hierbei von einer Gerstengranne in den Finger stechen, seine Begeisterung vom Tasterlebnis hielt sich folglich in Grenzen. Ernüchtert suchte er Trost in leiblichen Genüssen. Auf der Terrasse des Schlosses schlürfte er seinen Kaffee, erfreute sich am Zusammenspiel von Mohn- und Kirschgeschmack in seinem Kuchen und ließ dabei seinen Blick über die sonnig bestrahlten Experimentierfelder auf der Außenanlage gleiten.
Am Nachmittag hatten die Ausflugsteilnehmerinnen Gelegenheit, die Innenstadt zu erkunden. Wiesbaden zählt mit seinen 15 Thermal- und Mineralquellen zu den ältesten Kurbädern Europas. Mittelpunkt der historischen Altstadt ist der Schlossplatz mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Alten Rathaus. An der Nordseite des Platzes sieht man das ehemalige Stadtschloss der Herzöge von Nassau, heute Sitz des Hessischen Landtags.
Der Ausflug war Bestandteil der gruppenübergreifenden Veranstaltungen des Selbsthilfevereins, die der Bayerische Landtag 2023 mit dem Bürgerpreis „Lichtblickmacher ehrenamtliches Engagement für psychische Gesundheit“ honoriert hat.
Der Vorstand des Selbsthilfe bei Depressionen e.V. bedankt sich bei seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen für die Organisation des Ausflugs.
Manfred Fuchs