Luther und Thüringer Bratwurst – Ausflug nach Eisenach

Was haben Martin Luther und die Thüringer Bratwurst miteinander zu tun? Das wird sich so mancher beim Lesen der Überschrift fragen – und ich kann es vorweg nehmen: Ich weiß es selbst nicht! Da die erste Thüringer Bratwurst Anfang des 15. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass Martin Luther mit ihr in Berührung gekommen ist.

Gruppenbild an der Wartburg

Luther war aufgrund seiner „kirchenfeindlichen“ Ansichten Anfang 1521 exkommuniziert worden. Der ihm gewogene sächsische Kurfürst Friedrich der Weise gewährte ihm Unterschlupf auf der Wartburg. Dort lebte Luther ein knappes Jahr inkognito unter dem Decknamen „Junker Jörg“ und nutzte die Zeit, um das Neue Testament in knapp drei Monaten aus dem Griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Diese Übersetzung wurde 1522 als „Septembertestament“ gedruckt und fand sofort große Verbreitung.

Die Mitglieder des Selbsthilfe bei Depressionen e.V. konnten auf der Wartburg die Kammer bewundern, in der Luther für kurze Zeit gelebt und gewirkt hatte. Wer aber glaubte, Luther stünde im Mittelpunkt der rund neunzig minütigen Führung, sah sich getäuscht. Vielmehr stand die Geschichte der Burg und deren berühmtester Bewohnerin im Fokus.

Erbaut wurde die Wartburg vom Adelsgeschlecht der Ludowinger. Als Ahnherr der Ludowinger gilt Ludwig der Bärtige. Erstmals genannt wurde die Burg 1080 in der Abhandlung des Klerikers Bruno zum sogenannten Sachsenkrieg. Als wohl berühmteste Bewohnerin der Wartburg gilt die ungarische Königstochter Elisabeth. Landgraf Ludwig IV. heiratete die damals 14-jährige 1221 in der Georgenkirche in Eisenach. Elisabeth lebte bis 1228 – das letzte Jahr als Witwe – in der Burg. Nachdem Ludwig bei einem Kreuzzug gestorben war, widmete sie sich einem Leben in Armut und dem Dienst an Armen und Kranken. Aufgrund der vielfältigen Kasteiungen, denen sie sich unterwarf, starb sie im Alter von 24 völlig entkräftet.

Seit Pfingsten 1235, also schon sieben Jahre nach ihrem Tod wurde sie von der katholischen Kirche heilig gesprochen. Insgesamt werden ihr 129 Wunder zugesagt. Die heilige Elisabeth ist die Landespatronin von Thüringen und Hessen. Wegen der beiden berühmten Persönlichkeiten, die hier gelebt haben und Ereignissen wie dem Sängerkrieg und dem Wartburgfest der Urburschenschaft 1817 gilt die Wartburg als deutsches Nationaldenkmal. Zudem gehört sie seit 1999 zum UNESCO-Welterbe.

Der Selbsthilfe bei Depressionen e.V. organisiert seit mehr als vierzig Jahren Selbsthilfegruppen für Menschen im Großraum Aschaffenburg, die unter seelischen Beeinträchtigungen leiden. Derzeit haben Betroffene in 21 Gesprächsgruppen (davon zwei in Obernburg am Main) Gelegenheit, Gehör zu finden und gemeinsam den Weg aus der psychischen Erkrankung zu gehen.

Der Vorstand des Selbsthilfe bei Depressionen e.V. bedankt sich bei seinen ehrenamtlichen Helferinnen für die Organisation des Ausflugs.

Manfred Fuchs