Der Verein

25 jähriges Jubiläum  - gegründet 1984

 

Verein Selbsthilfe bei Depressionen besteht 25 Jahre –
Einzigartige Einrichtung fällt durch alle Förderrichtlinien

 

Bild aus dem Mainecho

Seit 25 Jahren gibt es in Aschaffenburg den Verein »Selbsthilfe bei Depressionen«. Vorsitzender Harald Diller (Zweiter von rechts) gründete die Kontaktstelle. Neben seiner Stellvertreterin Evelyn Kastner (rechts) organisiert ein Team von fünf Ehrenamtlichen, darunter Werner Horler und Reinhild Paquée (von links), die Selbsthilfegruppen. Foto: Harald Schreiber

Aschaffenburg. »Ein depressiver Mensch kann von sich aus keine Selbsthilfegruppe gründen, dazu fehlt ihm der Antrieb. Deswegen übernimmt unser Verein diese Aufgabe«, sagt Harald Diller, Vorsitzender des Vereins Selbsthilfe bei Depressionen. Seit 25 Jahren baut der Verein Gruppen auf, in denen sich Menschen mit Depressionen, Ängsten, Burnout und psychosomatischen Beschwerden gegenseitig helfen.

Als eine Art Dachverband und Kontaktstelle bezeichnet Diller die ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern getragene Einrichtung. Derzeit treffen sich im ersten Stock in der Wermbachstraße 13 wöchentlich oder zweimal im Monat neun Gesprächsgruppen. Sonntagnachmittags kommen interessierte Mitglieder gruppenübergreifend zusammen. Das baut die Isolation gerade am Wochenende ab.

Zwischen fünf und zwölf Betroffene zählt jede Gruppe. Alle sozialen Schichten sind vertreten, die Altersspanne zieht sich von Mitte 20 bis zum Senior mit Mitte 70.
Fünf Ehrenamtliche halten den Betrieb aufrecht. Werner Horler und Reinhild Paquée sind zwei von ihnen. Rufen Betroffene an, hören sie zu, vereinbaren ein erstes Gespräch in den Vereinsräumen oder beim sozialpsychiatrischen Dienst der Arbeiterwohlfahrt. Besteht Interesse an einer Gruppe, suchen sie die passende aus und führen die Neulinge dort ein.

Die Gruppen selbst arbeiten ohne Anleitung, sie leben vom gegenseitigen Austausch, dem Zuhören, den Erfahrungen der Teilnehmer. Alles Gesagte bleibt vertraulich.
Keine Verhaltensvorschriften »Die Gruppe ist ein Experimentierfeld«, beschreibt Horler. »Ratschläge oder gar Verhaltensvorschriften gibt es nicht.« Damit die Arbeit fruchtet, ist ein längerfristiger Besuch erwünscht. »Manche kommen schon 10, 15 Jahre in ihre Gruppe, im Zeitablauf wechseln auch Teilnehmer. Die Gruppe ist ein Stück Alltag«, sagt Horler. Die Betroffenen lernen, sich aus der Isolation zu befreien, Selbstvertrauen zu steigern, eigene Anliegen zu formulieren.

Als der Verein auf Initiative von Diller im März 1984 gegründet wurde, meldeten sich 600 Mitglieder an, in Spitzenzeiten organisierte der Vorsitzende 20 Selbsthilfegruppen. Bis 1997 konnten Diller und seine Stellvertreterin Evelyn Kastner sogar eine fest angestellte Fachkraft beschäftigen, die Erst- und Einzelgespräche führte, Eingliederungen in die Gruppen vornahm und Krisenintervention leistete. Sie versah den (Notfall-)Telefondienst und organisierte das Gruppenleben.
Geldmangel behindert Arbeit Davon ist der Verein im Jubiläumsjahr 2009 weit entfernt: Die Zahl der Mitglieder ist auf 100 geschrumpft, die Vollzeitstelle musste gestrichen werden.
Dem aus Beiträgen und Spenden finanzierten Verein fehlt schlicht das Geld dazu. Dabei wächst die Zahl der Erkrankungen jedes Jahr: Leistungsdruck, Schulprobleme, Stress im Beruf, Erschöpfung, Wegfall von gewohnten Aufgaben, Trennungen oder Arbeitslosigkeit sind einige der Gründe, warum Menschen in Depressionen verfallen können. »Immer mehr junge Leute rufen an«, hat Paquée beobachtet.

Es ist ein Teufelskreis: weil die Ehrenamtlichen im Verein den großen Andrang nicht stemmen können und deshalb beispielsweise das Telefon nur stundenweise besetzt ist, wenden sich viele Betroffene enttäuscht wieder ab oder haben nicht den Mut für einen zweiten Anruf. Mit einer hauptamtlichen Fachkraft und dauerhaft präsenten Vertrauensperson wäre allen geholfen, doch dazu fehlen die Mittel.

Derzeit ist der Vereinsvorstand mit der Stadt Aschaffenburg und dem Landkreis darüber im Gespräch. Außerdem sollen Sponsoren gewonnen werden. »Wir waren hier deutschlandweit bis vor kurzem einzigartig, es gibt keinen Bundesverband, der Menschen mit Depressionen zur Selbsthilfe und Eigeninitiative anregt«, sagt Diller. »Leider führt diese Besonderheit auch dazu, dass wir durch alle Raster üblicher Förderrichtlinien fallen.«

Benefizkonzert zum Jubiläum Die Öffentlichkeit ist am Donnerstag, 14. Mai, um 19 Uhr zu einem Benefizkonzert ins Martinushaus eingeladen. Der Aschaffenburger Liedermacher Manfred Fuchs singt in poetischen Texten von Hoffnung, Liebe und Gottvertrauen.
Mit »Manchmal« hat der 49-Jährige ein Lied für Menschen geschrieben, die durch Krisen und Depressionen gehen. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.
Cornelia Müller